Der Walzer wird zum Rausch – Rezital in Freiburg

Violinabend mit Ye-Eun Choi und Paul Rivinius in Freiburg.

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Julia Fischer, Lisa Batiashvili und Arabella Steinbacher sind ihre bekanntesten Schülerinnen. Auch Manuel Druminski, Konzertmeister des Philharmonischen Orchesters Freiburg, hat den Unterricht von Ana Chumachenko genossen. Nun stellte sich in der Aula der Freiburger Universität mit der Koreanerin Ye-Eun Choi eine weitere hochbegabte Ex-Studentin der Münchner Geigenprofessorin vor, die den Sprung in die internationale Spitze bereits geschafft hat.

Ihr Spiel wirkt trotz der technischen Perfektion ganz natürlich. Dass die von Anne-Sophie Mutter geförderte Geigerin auch musikalisch viel zu bieten hat, zeigt sie in der selten zu hörenden Cadenza von Krzysztof Penderecki. Wie Choi die allmähliche Beschleunigung und Verdichtung dieses Solostücks gestaltet, wie sich ihr Violinton härtet und wie kraftvoll sie die Spannung zum Bersten bringt, ehe sie die Cadenza wieder ins Lyrische zurücknimmt, ist atemberaubend.

Mit Paul Rivinius hat sie bei ihrem eindrucksvollen Rezital, das gemeinsam von den Albert-Konzerten und dem Studium generale veranstaltet wurde, einen erfahrenen musikalischen Partner, dessen Klavierspiel deutliche Artikulation mit einer ganz verbindlichen Klanggestaltung kombiniert. Die Interpretation von Gabriel Faurés erster Sonate in A-Dur besticht durch agogische Freiheit und eine nie nachlassende klangliche Intensität, die im Finale auch noch erhöht werden kann. Das Scherzo von Prokofjews zweiter Sonate spitzen die beiden zur Groteske zu. Nur Mozart siedelt Ye-Eun Choi mit viel Bogengewicht und großem Vibrato in der Spätromantik an, was der G-Dur-Sonate KV 379 nicht zuträglich ist. Dafür brilliert die zierliche Geigerin gemeinsam mit ihrem formidablen Pianisten abschließend mit einer spektakulären Version von Tschaikowskys Valse-Scherzo in C-Dur. Selbst Spiccato auf einem Bogen scheint für sie ein Leichtes zu sein. Der Walzer wird zum Rausch.

(Georg Rudiger, Badische Zeitung vom 23.01.2016)

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